Haben wir genug Zeit für einen Welpen bzw. Hund?

Unsere Hunde sind hochsoziale Lebewesen, die ein Leben in einem sozialen Verband nicht nur bevorzugen, sondern lebensnotwendig ist. Mit der Anschaffung eines Hundewelpen solltet Ihr euch im Klaren darüber sein, dass Ihr die Verantwortung für ein Lebewesen übernehmt, welches sein Leben lang auf Euch angewiesen ist.

Wenn Ihr einer Vollzeitbeschäftigung nachgeht und Euer Hund den ganzen Tag allein verbringt, solltet Ihr davon absehen euch einen Vierbeiner ins Haus zu holen. Auch wenn Ihr glaubt das Ihr dann Zeit hätten. Die Realität sieht meistens ganz anders aus: man kommt kaputt oder gereizt von der Arbeit, Einkäufe müssen erledigt werden, Arzttermine wahrgenommen und Freunde will man auch noch sehen. Es wird geputzt, gekocht, gegessen, schnell noch Duschen, um dann schlussendlich auf der Couch Entspannung zu finden. Stopp, das schwanzwedelnde Fellbündel muss ja auch schnell noch raus?! Der große Garten kann einen Spaziergang nicht ersetzen. Und wo bitte bleibt da die versprochene Zeit für den Hund?

Hunde, egal ob jung oder alt, benötigen ihr ganzes Leben Eure Aufmerksamkeit, Liebe und Zuwendung, nicht nur Stundenweise. Was nicht heißt das Ihr Euren Hund von morgens bis abends bespaßen müsst.

Es ist auch nichts dagegen zu sagen wenn der Hund drei bis vier Stunden täglich alleine bleiben muss, schließlich kann er ja nicht überall mit hin, aber er sollte doch sooft und so viel wie möglich dabei sein. Alles andere ist kein wirklich prickelndes Hundeleben. Zwingerhaltung sollte grundsätzlich Indiskutabel sein, wenn Ihr nicht wollt dass Euer Hund seelisch verkümmert, und Euch nicht als das sieht was Ihr eigentlich sein solltet. Nämlich ein Partner dem man vertraut und mit dem man gemeinsam durch dick und dünn geht. Schließlich wurde er als Familienmitglied angeschafft, und die steckt man nicht in Einzelhaft.

Für den Einzug ins neue Heim, solltet Ihr euch ausreichend Zeit nehmen. Bedenkt bitte, dass für die kleine Fellnase alles neu ist. Er kennt Euch kaum, die Umgebung ist völlig fremd, seine Geschwister, die geliebte Hundemama sowie alles was ihm vertraut war, ist plötzlich weg. Dieser Verlust muss erst einmal überwunden werden.

Die Erziehung eines Hundewelpen ist sehr zeitintensiv und die beginnt schon am Tag des Einzuges. Angefangen bei der Stubenreinheit, die einige schlaflose Nächte mit sich bringen kann, bis zur Grunderziehung die ein Leben lang erfolgen sollte. Hundewelpen lernen schnell, werden aber genauso schnell nachlässig im Ausführen wie Ihr selbst. Dagegen hilft nur regelmäßiges üben. Der tägliche Spaziergang, je nach Alter und Größe des Hundes nimmt natürlich auch viel Zeit in Anspruch. Vielen Hunden reicht der normale Spaziergang aber nicht. Sie wollen und müssen körperlich wie geistig ausgelastet werden um ein glückliches Leben führen zu können und, um uns angenehme Weggefährten zu sein. Egal für was für eine sportliche Aktivität Ihr euch mit Eurem Vierbeiner auch entscheidet, Euch sollte bewusst sein, dass einmal die Woche eine halbe Stunde sicher nicht ausreichend ist um Euren Hund Artgerecht auszulasten. Wenn Ihr all die Zeit habt und gerne für Euren vierbeinigen Freund opfert, dann steht einem entspannten zusammenleben nichts mehr im Wege.

Claudia Schechinger zertif. HundepsychologinnTR®